Dienstag, 19. August 2008

Celebrate beim "Großen Grand Prix der Chöre"






Nachdem wir ja schon seit Monaten beharrlich in sämtlichen, uns bekannten Medien rumgenervt hatten, war es jetzt endlich soweit. "Celebrate" ist nach Köln gefahren, um in der ZDF Sendung "Der Große Grand Prix der Chöre" gegen die sieben anderen Finalisten anzutreten.

Die letzten Wochen waren wir so sehr mit Extraproben (Singen, Choreo, Aussprache üben) und Organisationsstress (kontrovers über mögliche Bühnenoutfits diskutieren und abstimmen, Bühnenoutfits bestellen, entsetzt sein über das furchtbare Aussehen der bestellten Sachen, in Windeseile neue Outfits zusammenimprovisieren) beschäftigt gewesen, dass gar keine Zeit mehr blieb, sich zu fragen, was unserer kleiner Laienchor eigentlich bei einem Wettbewerb dieser Größe macht und womöglich auf die Idee zu kommen, sich über Erflogsaussichten Gedanken zu machen.

Statt dessen haben wir einfach die Busreise mit netten Filmchen, das großartige Hotel mit traumhaften Frühstücksbuffet und die Aufregung unseres Kölntrips genossen, beschlossen, dass wir einfach schon gewonnen haben und die ganze Reise unser Preis ist - dabei sein ist alles! - und in verwegenenen Momenten beteuert, dass ein Nicht-Letzter Platz schon schön wäre, aber mehr muss auch nicht.

Dann: Studioluft, Probendurchläufe, Umziehen in der Gaderobe, die anderen Chöre sehen und anhand derer toller Darbietungen schon langsam das Herz in die Hose sinken fühlen. Die Stimmung unter den Chören war übrigens großartig - alle haben füreinander applaudiert, gefeiert und gejubelt - wir waren ein großes, musikalisches Miteinander, das sich gegenseitig alles gegönnt hat.

Die Abende haben wir zusammen in den Hotelzimmern oder der Lobby verbracht; unvergessen die ewige Odyssee durch Köln auf der Suche nach einem Pizza Hut, das es mit 30 hungrigen Mäulern aufnehmen konnte, ebenso unvergessen der Rückweg, die Ballonschlachten, die Brausetabletten, der Eiswürfelautomat, die großartige Stimmung. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich vor Lachtränen ganz verheult aussehe. Dieser Abend war fast das Schönste am gesamten Trip.

Fast. Da war ja noch die Aufzeichnung der Sendung am Mittwochabend. Klug, dass es vor dem entscheidenen Auftritt so viele Proben gibt - dann ist nicht alles so neu. Gut, dass uns vorher geraten wurde, immer den Chorleiter Martin anzugucken: da konnte man sich mit den Augen schön festhalten und der sah ja fast aus, wie immer. Auch gut, dass Martin so tolle, motivierende Ansprachen halten kann, aus denen man lachend und jubelnd herausgeht und es mit der ganzen Welt aufnehmen möchte. Und mit einem Millionenpublikum. Gut, dass es Lautlos-Laolas hinter der Bühne gibt und gut, dass der Chor vor uns so lebhaft war, dass wir unsere Nervosität backstage einfach wegtanzen konnten. Und dann waren wir dran und dann haben wir gesungen und dann war es vorbei. Und der Mann aus der Jury hat "Endkonsonanten" gesagt - definitiv das Chorwort des Jahres 2008.

Das Ende vom Lied - für alle die es nicht gesehen haben - und den anderen kann ich es ja auch erzählen, schließlich waren wir dann nicht mehr so viel im Bild. Als der 8. Platz weg war (belegt von den charmanten "Conbrios", den absoluten Sympathieträgern der Veranstaltung) war der Keks für uns fast gegessen. Nicht der letzte Platz, was auch kommt, wir sind jetzt glücklich. Dann kam aber erstmal nichts - zumindest wir nicht. Nicht der Siebe, nicht der Sechste, nicht der Fünfte. Ab da sind wir ausgerastet. Obere Hälfte! Dann, unser Name auf der Leinwand: der dritte Platz für Celebrate! Unglauben und Überraschung äußern sich mitunter ziemlich laut und ungestüm.

Bei der Aftershowparty wurde getanzt was das Zeug hält - aber wie! Alles zusammen, in Kreisen und auf Tischen und von einigen Darbietungen - auch aus unseren Reihen - gingen den Anwesenden vor Staunen die Augen auf. So gut es zu vorgeschrittener Stunde noch ging, ging die Party im Hotel weiter - erst in der Lobby, dann mit Wein aus der Minibar in einem der Zimmer.

Endlich im Bett konnte ich nicht lange schlafen, weil der NDR ein Telefoninterview um 8 Uhr Morgens verabredet hatte. Aus 8 Uhr wurde 7:42 Uhr - gut dass ich meinen Wecker auf 7:40 gestellt hatte, ich war also schon zwei Minuten wach. Ohrenzeugen berichten, dass das Interview auch genauso klingen soll - ich glaube, nächstes Mal mache ich einfach durch.

Alles in allem waren die Tage in Köln genau das, als was sie ursprünglich gedacht gewesen waren: Eine tolle Erfahrung und eine großartige Zeit mit dem - nun offiziell - drittgeilsten Chor Deutschlands. Das haben uns eine Menge Menschen ermöglicht, denen all unser Dank gebührt. Da ist erstmal die Chorleitung, die einen tollen und oft auch sehr anstregenden Job macht. Der Chor selbst, der nicht nur toll singt und tanzt, sondern (auch das ist jetzt amtlich, hehe) eine "starke Gruppe" bildet, sich die Arbeit teilt und - was mich angeht - einfach das beste war, was mir in den letzten Jahren passiert ist. Dann sind da natülrich die Leute von Endemol und ZDF, bei denen wir in, wie ich finde, wirklich guten Händen waren, viele viele Medienmenschen, die uns mit ihren Berichten und Beiträgen geholfen haben, so weit zu kommen und - natürlich! die vielen vielen Menschen, die für uns gevotet, geworben und angerufen haben! Uns ist klar, dass unser dritter Platz nicht zwingen heißen muss, dass wir so unglaublich gut gesungen haben, sondern dass unglaublich viele Menschen für uns angerufen haben - aus welchen Gründen auch immer. Das bedeutet uns sehr viel und wir - also hier jetzt ich, aber eigentlich wir - möchten uns dafür bedanken. Ganz herzlich. Danke!

(Ansehen kann man sich die Sendung übrigens hier nochmal. Außerdem gucken wir sie am nächten Mittwoch im Unihörsaal 218, 19:30 Uhr. Wer kommen möchte, ist herzlich eingeladen!)
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Montag, 11. August 2008

Celebrate geht noch mal aufs Klo und dann...


Nachher, halb Vier gehts los. Dann fährt unser Bus los nach Köln. Dann wird nochmal generalgeprobt und geguckt und bestimmt ordentlich Lampenfieber geschoben und am Mittwoch um 20:15 Uhr sind wir dann im Fernsehn: Im Großen Grand Prix der Chöre beim ZDF.

Liveberichte wird es wohl wegen Internetmangel nicht geben, sollte ich wieder Erwarten doch welches finden, melde ich mich natürlich. Hier, oder bei Twitter.
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Dienstag, 5. August 2008

London...





Die restlichen Fotos sind wie immer im StudiVZ.
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Südengland - ein Roadtrip





Roadtrips haben den Nachteil, dass man viel Zeit im Auto verbringt und wenig Zeit damit, in der Sonne zu liegen und leichte Urlaubsliteratur zu sich zu nehmen. Dafür haben sie den Vorteil, dass man total viel sieht und erlebt, neue Menschen kennenlernt und mit der Kultur des Landes ohne in Berührung kommt.

Loosy und ich sind mit Loosys Freund David in dessen Auto herumgefahren. Unsere Route war lang und verschlungen: Vom Londoner Vorort Hitchin, wo Dave in einer Männer WG wohnt, über Stonehenge nach Dorset, zur Farm seiner Eltern in Rampisham. Von dort aus nach Dorcester, Lyme Regis, Bristol, Barth, Newquay, Cornwall, Tintagel. Dann zurück nach Hitchin, von dort nach London. Dann nach Brighton, Eastbourne und Lewes - und Haywrads Heath, zu Loosys Freund Gareth, bei dem geschlafen haben. Nach noch einem Tag in London und noch einem in Hitchin ging es dann erschöpft, aber glücklich zurück nach Berlin.

Es war ein toller Urlaub - noch mal Danke an die vielen Leute, die das ermöglicht haben (und hier nicht lesen können, weil Deutsch) und an Loosy, die auf die tolle Idee gekommen ist, mich mitzunehmen. Danke Danke Danke!
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Sommer...





... in Rostock heißt lange Abende in Warnemünde. Optimalerweise mit Grillfleisch, Lagerfeuer, Gesang und netten Leuten vom Lieblingschor. :)
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Chorkonzert von "Celebrate" im Moya

Mal schnell nachtragen, was alles so passiert ist. Also, das Chorkonzert... joar, das war... toll. Ein würdiger Abschluss - des Semsters generell und von den großen Celebrate Konzerten für mich. Wir auf der Bühne hatten jedenfalls richtig viel Spaß. Und, ich glaube, Rod von die Ärzte hat mal gesagt, dass das das wichtigste ist, damit das Publikum auch Spaß hat. Na bitte. Außerdem waren wir schön bunt. Und ich war völlig von den Socken, als ich einen Blumenstrauß geschenkt bekommen habe. Danke nochmal dafür!
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Montag, 21. Juli 2008

Questionable Content

Loosy muss packen und ich bin mir selbst überlassen. Ich nutze mal die Gelegenheit und erzählt euch von einem Webcomic, der es mir kürzlich angetan hat.

Er heißt "Questionable Content", ist wohl im englischsprachigen Raum schon ganz bekannt und hat Suchtpotential. Es geht um Marten, der Indiemusik und -shirts mag, seinen Bürojob hasst und gerne Rockusiker werden möchte. Indierock, versteht sich. Er hat einen kleinen "AnthroPC", einen Roboter-Computer, Pintsize, der sehr niedlich und ziemlich verrückt ist. Wie man normale Computerarbeit mit einem roboterartigen PC verrichten soll, wird aus dem Comic nicht ganz klar, warum man unbedingt einen haben sollte, schon. Als Faye, die in einem Coffeeshop arbeitet, einen ziemlich intelligenten Humor und ganz offensichtlich einige Probleme hat, in Martens Leben tritt wird dieses endlich interessant - und bald von vielen weiteren liebenswerten Charakteren bevölkert.

Irgenwo habe ich gelesen, dass das Comic mit der Serie Friends vergleichbar ist - eine chaotsche Clique junger Menschen meistern die Liebes- und Lebensprobleme des Alltags und für das Publikum gibt es viel zu lachen. Ich würde sagen, dass das schn stimmt, nur gibt es viel mehr Anspielngen auf die Indieszene und die Charaktere stehen dem Wahnsinn etwas näher - was sie realistischer, interessanter, aber nicht alberner macht. Im Gegenteil.

Für mich, die Serien liebt und wegen Fernsehermangel darauf verzichten muss, ist dieser Comic nahezu perfekt und ich erwarte jetzt jede Fortsetzung ungeduldig. Euch sei er hiermit unbedingt ans Herz gelegt.

Zu sagen bleibt noch, dass man natürlich vorne anfangen sollte. Also auf "Archive" klicken und dann runterscrollen. Außerdem sollte man anfangs - wie so oft - etwas Geduld mitbringen. Der Zeichenstil entwickelt sich und mit ihm auch die Erzählweise. Es wird besser und es lohnt sich. Ehrlich.

Erste Etappe: Berlin

Regelmäßige Berichterstattung bekomme ich bestimmt nicht hin. Egal.

Gestern Abend in Berlin bei Loosy angekommen, Colbert Report und die Daily Show geguckt und dann ins Bett - und zwar todmüde.

Heute haben wir uns Berlin erlaufen - die Gegend um den Alex rum. Wir haben californische Burritos gegessen (die bestellt man sich wie bei Subways - es war super verwirrend und ich habe lieber die Standardversion genommen.) Nicht ganz billig, aber seeehr lecker und schön urban stylish, der Laden. Besonders die hausgemachte Lime Limo war lecker.

In irgendeiner Saftbar haben wir uns dann mit Vitaminbomben versorgt - die hohen Preise hat zumindest Loosy wieder in dem Second Hand Laden ausgeglichen, wo es mit ein bisschen Glück echt hübsche Sachen echt günstig gab.

Jetzt ist der erste Tag fast um und wir sind müde. Morgen müssen wir früh raus und dann geht es - juhuuuu - mit dem Flieger nach London.

Ein bisschen Sorge macht uns die Frage, wie wir meinen Schlafsack dahin kriegen? Handgepäck? An den Koffer binden? Hmmmm...

Sonntag, 20. Juli 2008

Ich bin dann mal weg

Mit Loosy im England-Road-Trip-Urlaub.

Erste Etappe: Berlin. Die Mitfahrgelegenheit geht in einer Stunde.

So far!

Montag, 30. Juni 2008

Konzert von "Celebrate"


Es ist wieder Sommer! Das kriegt man im Moment zwar nicht soo eindrucksvoll mit Möderhitze und Zitroneneis demonstriert (damit geht es aber los, sobald ich meine BA Arbeit abgegeben habe, was glaubt Ihr denn), dafür aber mit unserem alljährlichen Sommerkonzert.

Am 11. Juli um 20 Uhr singt Celebrate mal wieder im Moya!

Drei gute Gründe, sich das anzugucken sind:

- wir haben richtig reingehaun in diesem Semester und viele neue, schwere und großartige Stücke gemacht, die Euch hoffentlich genauso viel Spaß machen wie uns.
- wir werden schließlich bald berühmt. Ich hab es hier ja noch gar nicht erzählt, aber wir haben uns - nein, IHR habt uns tatsächlich in die Sendung gevotet! Am 13. August 2008 sind wir auf ZDF zu sehen, als Vertreter für Meck Pom im großen Grand Prix der Chöre. Mit Carmen Nebel. Aber hallo. Und eben am 11. Juni schon live im Moya, in Rostock. Auf dem besten Weg zum Kult nämlich.
- Es wird wohl mein letztes Konzert mit Celebrate sein. Also, wer es bis jetzt immer verpasst hat - für den ist das die letzte Chance, denn im Oktober bin ich weg und komme so schnell nicht wieder.

Überzeugt? Prima. Karten gibt es im Vorverkauf im Pressezentrum. Mehr Infos - hier.
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Sonntag, 29. Juni 2008

Aus dem...


Museumsladen im jüdischen Museum.
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ein Wochenende in der Hauptstadt







Ein vollgestopftes Wochenende in Berlin. Loosy ist umgezogen, in der Motzstraße wurde Schwul-Lesbisches Straßenfest gefeiert, in der schönen, kleinen Wohnung von Hannes' Schwester einfach nur Party und im jüdischen Museeum waren wir auch noch. Hach, ich mag Berlin.
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Mittwoch, 18. Juni 2008

Penelope Jolicoeur

Seit ich sie hier entdeck habe, lese ich schon lange das Blog von
penelope
und bin begeistert. Das ist nochmal gehörig aufgefrischt worden, als ich vorgestern das dazu gehörige Buch von Orianne (Merciiiiiii encore un fois! ♥♥♥) geschenkt bekommen habe, so dass ich Euch die junge Dame jetzt ans Herz legen möchte. (Penelope, nicht Orianne. Obwohl... die eigentlich auch. :)

Ich weiß, die Cartoons sind auf französsich und ich weiß, das ist nicht jedermanns Sache. Aber viele versteht man auch so und sie sind einfach großartig! Mädchenhaft, superlustig und ich kann mich mit sehr vielen von ihnen identifizieren. Ich kann Euch also nur empfehlen, mal reinzuschauen, ist auf jeden Fall ne gute Idee für die, die ihr Französisch ein bisschen benutzen wollen, damit es nicht einstaubt. (Es gibt ja auch immer noch Hilfe, wenn man mal ein Wort nicht kennt.) Ist auch egal, eigentlich wollte ich nur mal meine Begeisterung ausdrücken.

Forum futsch

Nicht, dass ich glaube, dass das groß aufgefallen wäre (ich hab es selber auch nur gemerkt, weil dem Soziologiemagazin das gleiche passiert ist): mein altes Forum ist weg. Der Anbieter hat wohl sein Geschäft aufgegeben und ist wortlos von dannen gezogen; das Greylove Forum existiert nicht mehr.

Naja, es hatte seine besten Zeiten wohl auch lange hinter sich. ;) Ein neues werde ich aus nahe liegenden Gründen vorerst nicht eröffnen, wollte aber die Gelegenheit nutzen, mal allen Beteiligten für die schöne Zeit und die Aufmerksamkeit zu bedanken. Wir haben jetzt ja ausreichend andere Plattformen der Kommunikation. :)

Dienstag, 17. Juni 2008

Awohner und Bwohner.


Wer kein Awohner ist muss woanders paken!
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Donnerstag, 5. Juni 2008

Jäzzfest - Ärztekonzert in der Stadthalle




Fotos auf Konzerten machen ist doof und nervt. In den letzten Momenten hab ich dann doch nicht widerstehen können, meine Handykamera ist ein berückender Dämon.

Das Konzert war fantastisch. Wir standen weiter vorne, als ich es für möglich gehalten hätte und sind dann einfach da geblieben, weil es so schön war. Wenn auch anstrengend, die pogende Masse ist ein Energiestaubsauger. Die Erkenntnis mitgenommen und bestätigt, dass man alle Lieder, die man doof findet, nur noch nicht live gehört hat. Oder schon zu lange nicht mehr.
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Dienstag, 3. Juni 2008

Ausführlicher Choffahrtsbericht





Am letzten Wochenende war Chorfahrt.Chrofahrt heißt: der Chor packt seine Siebensachen und verbringt Freitag bis Sonntag in einer Jugendherberge der mittleren Umgebung. Die meiste Zeit wird geprobt, dazwischen gegessen, gefeiert, gespielt, gefaulenzt, gesungen, wenig geschlafen. Jedes Semester machen wir eine und immer wird es sehr schön.

Weil ich das nächste Jahr gerne in Frankreich verbringen möchte und nicht weiß, wohin es mich danach verschlägt, war diese Chorfahrt wahrscheinlich meine letzte. Das ist sehr schade, denn natürlich sind diese Ausflüge immer ein Erlebnis und der Höhepunkt des Semesters. Vor allem die im Sommer.

Es hat uns nach Born verschlagen. Zu fünft waren wir in meinen winzigen Suzuki gequetscht, plus Gitarre und IZ, dem nervigen kleinen Roboter von Steffen. Uns selbst und das ganze Gepäck in die kleine Kiste reinzukriegen war echt nicht leicht, wir haben noch eine ganze Weile am Bahnhof puzzlen müssen, bis alles gepasst hat. (Warum muss ich erst jetzt an die Auto-Tetris Szene bei den Simpsons denken? Genauso war es doch!) Komisch, das wir trotz dieser Verspätung fast als erstes in Born ankamen, alle anderen wegen einer kleinen Ungenauigkeit im Anfahrtsplan einen Umweg einlegen müssen.

Aber ist ja nicht so schlimm, die Gegend um Born ist ja sehr schön. Born selbst auch. Ebenso die Jugendherberge. Äußerlich. Die von uns, die noch nie da waren, waren echt beeindruckt, diejenigen, die die Herberge schon von dem letzten Besuch, vor einigen Jahren, kannten, waren voller guter Erinnuerungen an eine großartige Zeit.

Schwer zu sagen, wer enttäuschter war. Als wir uns im uns zugewiesenen Gemeinschaftsraum nach der ersten Probe mit den mitgebrachten Süßigkeiten und Getränken gemütlich einrichteten, kam der erste Dämpfer. Alkohol, so wurde auf die Hausordnung verwiesen, sei hier nicht erlaubt. Zumindest kein eigener, den aus der anliegenden Kneipe dürften wir gerne konsumieren. Eigenen nicht. Wie ernst es den Angesellten damit war, wurde uns klar, als sie in regelmäßigen Abständen Kontrollgänge machten und anhand der letzten gefundenen Fläschchen mit Rauswurf drohten. Zeitgenossen, die die Last der Jahre drückt, sei also die Jugendherberge in Born dringend angeraten: schon am ersten Abend findet man sich wieder, wie man Bier in Apfelsaftflaschen füllt, kichert und sich viele Jahre jünger fühlt.

Wir wurden also kreativ: Wodka Cola in der Cola Flasche, Bierflaschen in Kartoffelchipstüten und Pringlesdosen, ein Glas Wiskey in der alten Uhr (zumindest imaginär), Kauerverstecke beim Flaschenvorrat hinter dem Kleiderständer (Da kann man sogar unbemerkt Bier runterwerfen und verschütten) - wir waren echt einfallsreich und auf einmal war alles politischer Widerstand. Wütend waren wir natürlich trotzdem, vor allem als es kurz darauf hieß, wir wären zu laut und würden schlafende Kinder stören (wo auch immer die waren) und müssten kurz nach Zwölf den Saal verlassen, da würde er abgeschlossen. Abgesprochen war das alles anders, aber es half ja nichts. Wenigstens waren wir so beim Frühstück am nächsten Tag nicht so übermüdet. Außerdem haben wir alle Energie gebraucht, die wir hatten, um den probenintensiven Samstag zu überstehen. Aus dem Mittag war nämlich nicht viel herausholen können - Milchreis mit Apfelmus kann lecker sein, macht aber als Mittag ohne wirkliche Alternativen nur sehr wenige in einer Gruppe von 60 Erwachsenen glücklich.

Nach dem Mittag war Pause, einige von uns trotzen den Mücken und machten sich auf den Weg durch den Wald zum Strand. In der Sonne liegen, Muscheln sammeln, mit Jonathan Steintürmchen bauen und Judith dabei zusehen, wie sie fluchend und lachend ihre nasse Kleidung auswrang. Barfuss über den kühlen Waldboden zurück gehen. Schön an den Chorfahrten ist auch, dass man für ein paar Tage der Stadt entkommt.

Ab der zweiten Samstagsprobe wird es meistens hart. Die Energie schwindet, die Lieder sind anspruchsvoll, Stimmgruppenleiterin Karo gibt dem Begriff "Engelsgeduld" eine neue Bedeutung. Am Ende können wir es und sind stolz wie Oskar. "Dream a little Dream of me, Baby!"

Der Abend hat Tradition. Nach einem Tag mit sechs Stunden Probe sind wir um neun fertig und haben frei. Versammeln uns um das Klavier, episodenweise um die Gitarre, und singen weiter. Bis zwei Uhr nachts, Stücke aus den letzten Jahren. Irgendwann fangen wir an zu tanzen, sind laut, ausgelassen und fröhlich, phantomieren zu den Texten, improvisieren, wo wir nicht mehr wissen, wie es genau ging. Sind berauscht von dem Gefühl zur eigenen Musik so Party zu machen, dass sich interationale Entertainer und Diskotheken eine Scheibe abschneiden könnten. In dieser Nacht wird es spät und keiner stört uns. Der Nachtwächter, der gestern frei hatte, ist heute wieder da und viel entspannter, als seine Vertretung. Unser Bier in Brauseflaschen zu verstecken, wäre gar nicht nötig gewesen. Egal.

Der Abend wird getrübt von einem ernsten Thema, die Nacht lang. Nach der letzten Sonntagsprobe und einer sehr positiven, auch emotionalen Auswertung und einem intensiven Gruppengefühl wird daraus eine öffentliche Erklärung - nach Hause fahren wir mit gemischten Gefühlen.

In unserem Fall, im kleinen, roten Suzuki, übrigens nicht, ohne elegant, aber recht dicht an einem unvermutet auf dem Parkplatz auftauchenden Baum vorbeizuschwingen. Und mit der Frage, wieso es noch schwieriger war, das gesamte Gepäck in den Wagen zu bekommen, obwohl wir eine Person weniger sind und alle Vorräte von der Hinfahrt mittlerweile vertilgt haben.
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