Freitag, 10. September 2010
Montag, 3. Mai 2010
Postmoderne Hauskonzerte
Zuerst war da der Hof. Eine schmale Bucht zwischen zwei Häusern, voll von Menschen: sitzend an einem langen Tisch oder in kleinen Grüppchen beisammen stehend, redend, die warme Luft genießend. Dominiert wurde der Hof von einer selbstgemachten Hollywoodschaukel: ein weiches Sofa an zwei festen Seilen auf einem Balkengerüst, kompetent selbstgebaut. Es gab eine Sandkiste, Tische mit Essen, einen Grill, Lichterketten und eine Diskokugel. Durch den Hof kamen wir in eine Art Schuppenkellerhalle, mit vielen Fahrrädern, einem Werkzeugbastelteil, einer Kletterwand. Und einem weiteren Raum, hell beleuchtet, in dessen Tür sich viele Menschen drängten. Warum wurde dann bald klar: Das Konzert hatte schon angefangen, drinnen saß, umringt von noch mehr Menschen, die Sängerin und gab bereits ihre Musik zum besten. Wir dängten uns dazu, schoben uns hindurch und saßen bald ihr zu Füßen, zwischen Sofas und Sesseln und andächtig Lauschenden.
Ich mochte ihre Musik. Sie war selbstgemacht und ungewöhnlich, die Texte klangen, als hätte sie sich richtig was dabei gedacht, sie waren voll von Poesie und Verstand; die Melodien klangen, als hätte sie Mut und eine genaue Vorstellung davon, was sie mit ihrer schönen Stimme so alles anstellen könnte, ohne sich von herkömmlichen Klangfolgen einengen zu lassen.
Ich mochte die Drucke an den Wänden - auch von irgendwem selbst gemacht -, den kleinen Getränke-Verkaufsstand der irgendwann mit einem Schild auf den "Kiosk gegenüber" verwies, weil alles ausverkauft war, die Lichterketten und bunt zusammengewürfelten Sessel, die glücklichen Menschen. Ich mochte diese WG, die so viel Platz hat, die sich öffnet für kleine Minikonzerte und fremde Menschen, für Gartenpartys. Ich mochte den jungen Mann in der Schlabberhose, der nach dem Konzert aufstand und ankündigte, dass alle herzlich eingeladen seien, in seiner WG am anderen Ende der Stadt würde demnächst eine amerikanische Band spielen, die auf der Durchreise sei und ein bisschen Geld für die Weiterfahrt verdienen wollte. Ich mochte dieses mein Viertel in dem man sich kennt und in den ersten warmen Nächten des Jahres auf einem schaukelnden Sofa unter einer Outdoor-Diskokugel sitzt und einem jungen Mädchen zuhört, dass ihre Lieder für uns singt.
Dienstag, 23. Juni 2009
La Fête de la Musique
Am Sonntag war die Fête de la Musique, das Fest der Musik. Das ist eine sehr tolle, französische Idee: Überall ist an diesem Tag Musik, man kann durch die Stadt laufen und überall sind Bühnen, Bands, Künstler. Man kann überall zuhören und wenn man keine Lust mehr hat, geht man weiter und hinter der nächsten Ecke warten ganz andere Klänge. Toll!
Nicht so toll war, dass es Abends zu regnen angefangen hat. Sonst wäre der Spaß sicherlich noch Stunden weitergegangen, so aber bin ich zu einer Freundin geflüchtet und hab den Abend mit Mädchengesprächen beschlossen. Was ja auch gut ist. Und jetzt die Bilder.
Montag, 22. Juni 2009
Vorpremiere: Zion and his Brother
Kino. Ich kenne jemanden der jemanden kennt, der Freikarten gewonnen hat und nicht hingehen kann. Es ist die Vorpremiere des israelischen Films Zion and his Brother und mal wieder weiß ich vorher nicht so richtig, worum es geht, noch dass Regisseur und die beiden Hauptdarsteller anwesend sind.
Es geht um zwei Brüder. Einen großen und einen kleinen und um ihre Beziehung zueinander. Die wird schwierig, weil das Leben schwierig ist: Zu der Herausforderung, in einem Plattenbauviertel in Haifa erwachsen zu werden, kommen handfeste Konflikte. Geldprobleme, Familienprobleme, Liebe, Gewalt... und schließlich ein furchbares Wissen um einen schrecklichen Zwischenfall.
"I see it as a simple film, a film that can be understood anywhere.", sagt der Regisseur Eran Merav. Der Satz ist aus dem Pressematerial von der Homepage des Films, ich weiß nämlich nicht mehr genau, was er wirklich gesagt hat. Ich war so damit beschäftigt, amüsiert zu grinsen, weil er seine Hand so affektiert beim Reden bewegt.
Der Film war gut: Menschlich, interessant, schön. Spannend erzählt, mitunter mitreißend, mitunter nachdenklich. Trotzdem fällt mir erstmal gar nichts ein, was ich den Regisseur dazu fragen könnte, der nun auf einmal im Kinosaal vor uns steht. Wir applaudieren. Die beiden Hauptdarsteller, Reuven Badalov und Ofer Hayun, werden angekündigt und kommen von hinten durch den Saal. Wir applaudieren wieder und ich bin irgendwie überrascht, dass Menschen, die man in Filmen sieht, tatsächlich existieren. Dies ist meine erste Filmpremiere.
Da mir immer noch nicht einfällt, was ich fragen könnte, harre ich erstmal der Dinge, die da kommen. Die sind ganz witzig, schon der babylonischen Herausforderungen wegen. Die Jungs sprechen Hebräisch, der Regisseur englisch, das Publikum französisch. Ein Übersetzer (Hebräisch-Französisch) und ein Moderator sind anwesend, die versuchen der Sprachen Herr zu werden. Dies klappt, aber nur bedingt. An einer Ecke hapert es immer, das Publikum muss sich widerholt beschweren, weil es nichts versteht und mitunter helfend eingreifen.
Aber auch darüber hinaus gestaltet sich das Gespräch schwierig. Es scheint, als wären die anderen Straßburger von der Anwesenheit der Personen, die diesen Film erdacht und realisiert haben, nicht halb so beeindruckt wie ich - vielleicht weil sie so etwas häufiger geboten bekommen und allesamt deutlich älter sind als K. und ich. Nach einer kurzen Aufwärmphase sind die Fragen an Herrn Merav keine Fragen mehr, sondern Interpretationsvorschläge. Wie in einem Deutsch - pardon: Französisch! Leistungskurs melden sich die gestandenen älteren Damen und analysieren drauf los, immer länger werden die Redebeiträge. Ein grauhaariger Herr, der anfangs drauf hinweisen läßt, er sei übrigens Psychoanalytiker, will gar nicht mehr aufhören und holt richtig weit aus. K. und ich verkneifen uns respektloses Kichern und die hebräischen Herrschaften samt Übersetzern vorne sehen etwas hilflos aus, was mir leid tut.
Mir gefallen diese Straßburger Kinoabende, die mit dem Abspann nicht vorbei sind. Hoffentlich ist bald wieder einer.
Mittwoch, 6. Mai 2009
longue vie, paix et prosperité: Star Trek
Ein Albtraum: Das im Film transportierte Frauenbild. Ausgleich: Viele hübsche Jungs.
Montag, 2. März 2009
Rock me, Amadeus
Eigentlich wollte ich mich mit Freunden treffen, um das Konzert zu hören. Daraus wurde nichts, weil die Katherale (die ist groß) bis auf den letzten Platz voll war und wir uns nicht gefunden haben. Viele Leute mußten sogar stehen. Ich nicht, weil eine freundliche, alte Dame mir einen Platz neben sich angeboten hat. Auf Französisch, aber mit der Anrede "Fräulein". Ich dachte erst, ich hab mich verhört, aber als sie sich später mit ihrer Begleiterin unterhalten hat, sind sie immer vom Französischen ins Elsässische gewechselt. Französisch haben sie geredet, wenn es darum ging, wie sehr ihnen die Musik gefällt, Elsässisch, wenn sie sich gestritten haben. (Es war gut verteilt.)
Die Musik war toll. Muss man vielleicht gar nicht sagen, die Fakten klingen ja schon gut. 200 Chorsänger, Mozart, Kathedralenakustik. Und -optik, Mozart hören und Spitzbogenkonstruktionen angucken - schon schön. Und ich hatte das Gefühl, zu verstehen, warum so gerne behauptet wird, Mozart hätte ganz schön gerockt, hätte er in unserer Zeit gelebt und gewirkt. Die Musik von ihm kann auch leise und schön, aber am eindruckvollsten ist sie in laut und doll. Man kennt den Kontext nicht, noch versteht man die Texte. Und doch ist man mitgerissen, man fühlt die Energie. Bam! Und am Ende ist man ziemlich durch den Wind.
Zum Runterkommen gab es dann noch einen Gospel in der Zugabe und die ganz geduligen, die nicht nach Hause wollten, konnten noch vor der Kathedrale stehen bleiben und dabei zusehen, wie der Chor sich selbst und den gelungenen Auftritt feierte. Wie Chöre das so machen, nämlich: In der Kälte im Kreis stehen und weitersingen. Diesmal Afrikanisches.
Dabei außen stehen und nur zuhören ist neu. Und ein bisschen komisch. Ich brauche wirklich wieder einen Chor.
Dienstag, 10. Februar 2009
Sonntags im Museum
Mit den zahlreichen Straßburger Museen komme ich gut voran. In allen war ich noch lange nicht, aber ein paar Monate bin ich ja noch hier.
Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Mir kann das egal sein, ich habe eine „Carte À Tout Voir“ – eine Art kulturelles Abo für Nicht-Studenten. Museen sind für mich umsonst. Für K. sind sie das nicht, weil man nur unter 25 Jahren diese Karte bekommen kann. Also gehen wir oft am ersten Sonntag des Monats ins Museum.
Am letzten dieser Sonntage waren wir in zwei Museen; dem zoologischen und dem historischen.
Das Zoologische hatte eine Sonderausstellung über Farben. Die war nett, aber beeindruckt hat uns eher die Dauerausstellung. Es ist ein schönes, altes Haus mit hohen Decken, in dem auf zwei Etagen viele, viele Tierpräparate stehen. Man muss sich erst mal daran gewöhnen, mit so vielen toten Tieren in einem Raum zu sein und man denkt vielleicht lieber nicht darüber nach, ob die wirklich alle eines natürlichen Todes gestorben sind. (Oder man denkt doch darüber nach und fängt Streitgespräche ist, was schlimmer ist. Lebende Tiere in einem Zoo einsperren oder tote in einem Museum ausstellen? Viel Spaß.) Dann aber ist es faszinierend. Es ist faszinierend, wie viele Tiere es gibt, die man einfach mal nicht kennt. Nicht mal ansatzweise. Es ist faszinierend, wie viele Tiere es gibt, von denen man keine Ahnung hatte, dass sie so groß werden. (Diese Fledermaus. Oh man.) Es ist faszinierend, wie viele unterschiedliche Vögel es gibt. Und es ist faszinierend, wie krass faszinierend einige Tiereigenschaften sind, die man schon von Kindersbeinen an kennt und die einem schon so lange selbstverständlich waren, dass man gar nicht mehr merkt, wie beeindruckend die sind. Ich meine, Kängurubeutel? Tintenfische? Schildkröten? Kolibris? Hallo?!
Dann waren wir noch im Historischen Museum. Dort gibt es Audioguides und K. und ich sind Weicheier, wir haben welche in Deutscher Sprache genommen. Die ganzen geschichtlichen Vokabeln und so, schon klar. Ich mag Geschichte, ich fand Geschichte schon immer toll. Straßburg hat eine Menge davon; an so strategisch wichtiger Stelle, zwischen Deutschland und Frankreich ist ein großer Batzen Geschichte passiert. Ich hätte Stunden in diesem Museum verbringen können. Hätte ich auch getan, aber leider haben sie 18 Uhr zugemacht und uns höflich hinausgeworfen, lange bevor mir mein Audioguide alles erzählt hatte, was er wusste. Ich werde noch mal hingehen müssen. Vielleicht nehm ich dann meinen Zeichenblock mit.
Bis jetzt haben mir im Historischen Museum am besten die Ritterhelme gefallen, die man selber anprobieren konnte. Und die strategische Landkarte von Straßburg. Die ist riesengroß und sie ist eine maßstabgetreue Kopie der Stadt. Mit aufgemalter Landschaft und kleinen Holzhäuschen. In einer Welt, in der man Google Maps zu Rate zieht, um Freunde in ihren Wohnungen zu besuchen, die nächste Tankstelle zu finden und den Urlaub zu planen, muss man einen Moment drüber nachdenken, um zu verstehen, dass damals ein Trupp junger Männer jede Straße, jede Brücke, jedes Haus haben vermessen müssen, um diese Karte zu schaffen. Und zu begreifen, was für ein ungeheures Projekt das ist.
Müsste man diesen Sonntag mit einer Darstellung meines Gesichtes zusammenfassen, würde mein Mund vor Staunen weit offen stehen und es gäbe eine kleine Sprechblase mit einem „Boar.“
Dienstag, 27. Januar 2009
Celebrate Winterkonzert
Mittwoch, 10. Dezember 2008
Ein Kneipenquiz in irgendeinem Irish Pup
Wir quetschen uns also in die Bar, am gewaltigen Tresen vorbei und zu Antjes Mitbewohnerin, die mit einem Haufen Freunden an einem Tisch sitzt. Wir setzen uns dazu – wie durch ein Wunder sind noch zwei Plätze für uns frei – und erfahren, wenig überrascht, dass der Haufen Freunde eher ein Haufen Fremder ist.
Es werden Zettel ausgeteilt, auf die sich die Menschen ernst und konzentriert stürzen – wir kriegen sie fast gar nicht zu Gesicht. Auf einem sind ein Haufen Promis aus Kultur, Sport und Politik abgebildet – ich erkenne lediglich Pokémon Picachu -, auf dem anderen eine Tabelle für die Quizantworten. Dann geht es los. Die Fragen werden erst auf Englisch, dann auf Französisch gestellt. Da wir in einem Irish Pub sind, sprechen auch die Jungs hinter dem Tresen nur Englisch mit mir. Auf mein besorgten Nachfragen, versichert Antje, dass sie das immer so machen und das keine Reaktion auf mein Französisch ist. Der Mann, der die Fragen stellt scheint aber kein Engländer zu sein, seine Aussprache hat einen Akzent wie Michelle von den Gilmore Girls. Ich bin erfreut, und muss mitunter bis zur französischen Übersetzung warten, bis ich verstehe, was gemeint ist. Was mich noch mehr erfreut.
Nicht, dass es mir was nützen würde. Bis gestern Abend war ich mit meinem Allgemeinwissen noch ganz zufrieden, jetzt sitzt es unter dem Tisch und heult. Dass ich die Fragen nicht beantworten konnte, hat mich nicht groß gestört, dass die Franzosen um uns rum keine Probleme damit hatten, schon. Wisst ihr, wie die christliche Gemeinde in Ägypten heißt?
Zu gewinnen gab es eine Flasche Whiskey. Antjes Mitbewohnerin, die mich nicht kennt, warnte mich: „Falls wir gewinnen sollten: Trink den nicht! Das ist der allerbilligste Fusel, der macht übelste Bauchschmerzen!“ Ich beschloss, ihrem Rat zu folgen und wunderte mich, dass die Einheimischen um mich rum mit so großer Verbissenheit die Bögen ausfüllten. Für eine Flasche billigen Whiskey so eine Streberattitüde an den Tag legen? Komisches Land. Später erfuhr ich aber, dass die Ergebnisse im Laufe eines Jahres zusammen gerechnet werden und es einen Geldpreis von 200 Euro gibt. Man trifft sich also jeden Sonntag und wetteifert im Irish Pub. Das erklärt vielleicht auch das hohe Allgemeinwissen, wahrscheinlich dopen sich die regelmäßigen Teilnehmer vor jedem Spiel mit einer Riesenportion Wikipedia. Jedenfalls rede ich mir das jetzt ein.
Oder man wird schon von dem regelmäßigen Quizkonsum schlauer. Ich hab zumindest gelernt, dass in Quebec jeder, aber auch wirklich jeder, Anglezismus übersetzt werden muss, auch der Titel der Serie „Desperate Housewifes“, und wie die französische Wirtschaftsministerin aussieht und heißt. (Wobei Sachen, die man gleich wieder vergessen hat, vielleicht nicht also „gelernt“ zählen.)
Nachdem ich doch noch zu ein paar Fragen beitragen konnte (Griechische Göttinnen, Figuren aus den Harry Potter Romanen und in welcher Stadt spielt Grey’s Anatomy?) sind wir gegangen, bevor die Ergebnisse ausgezählt und bekannt gegeben wurden.
Dienstag, 18. November 2008
Across the Universe
Ich bin so froh, wenn mich jemand fragt, ob wir zusammen was machen wollen, dass ich sofort zusage, fast egal, was es ist. So heute geschehen, als ich mit Antje und zwei ihrer Freunde ins Odysée Kino zu „Across the Universe“ gegangen bin. Ich wusste mal wieder nicht viel über den Film, nur dass es irgendwie um die Beatles geht und dass man sich das ja mal angucken kann – vor allem, wenn man eh nichts anderes vor hat.
Deshalb war ich ziemlich überrascht, dass der Film eine Handlung hat und der Name „The Beatles“ nicht einmal fällt. Es ist ein Filmmusical mit einer Story und Charakteren, die Lieder von den Beatles singen – vom Prinzip her also so wie mit ABBA und „Mamma Mia!“ – nur besser.
Das Odysée ist eines der alternativeren Kinos der Stadt. Es gibt keine Snackbar, nicht mal Popcorn und die Sitze sind nicht durchnummeriert. Man braucht nicht lange vor Anfang des Films dazusein, weil man erst kurz vorher in den Saal gelassen wird, sollte aber auch nicht zu spät kommen, da weder Werbung noch Trailer gezeigt werden. Bis alle ihren Platz haben hat es ein bisschen gedauert, ein paar Leute kamen trotzdem zu spät, dann mussten ein paar aufs Klo. Ich weiß nicht, ob das französische Publikum wirklich etwas unruhiger ist, mir kam es anfangs so vor. Einer von Antjes Bekannten, ein Franzose, meinte nach dem Film, dass er die Leute ungewöhnlich ruhig fand, gerade für einen teilweise so lustigen Film und mit so eingängiger Musik. Wir stellten hinterher fest, dass wir mitunter alle etwas Mühe hatten, unbewegt auf unseren Plätzen sitzen zu bleiben. Außerdem hatte ich fast die Hälfte der Zeit Gänsehaut.
Der Film war Original mit Untertiteln – also englisch mit französischem Text. Vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen, was das in meinem Kopf angerichtet hat. Dass man Untertitel mitlesen muss, selbst wenn man nicht will, ist ja nicht neu. Das trifft auch zu, wenn man den gesprochenen Text eigentlich besser versteht, als den geschriebenen. Mitunter war ich über die Unterstützung aber doch ganz dankbar – einer der Protagonisten kam aus Liverpool und war nicht ganz leicht zu verstehen.
„Across the Universe“ erzählt eine Geschichte von jungen Menschen verschiedener Länder, die in der Zeit der Studentenbewegung und der Proteste gegen den Vietnamkrieg in New York zusammenkommen. Der Film fängt in einer ziemlich kitschigen High School Atmosphäre an, konzentriert sich dann aber eher auf die Kriegs- und Hippiethematik.
Neben diversen männlichen Hauptdarstellern, dem tollen Artwork und natürlich dem Soundtrack haben mir vor allem die phantasievoll choreographierten Tanzszenen gefallen, die die jeweiligen Thematiken wirklich kreativ dargestellt haben.
Bleibt zu sagen, dass ich den Film wirklich empfehlen kann. Gute Musik, bisschen was zum Lachen, Lebensfreude, Geschichtsunterricht. Man bekommt ein bisschen Lust, seine Jugend etwas mehr zu verschwenden. Ein paar Szenen hätten gerne ein bisschen weniger kitschig, ein bisschen weniger musicalesk sein dürfen, die werden aber verziehen und wirklich aufgewogen, durch alles, was toll ist.
Freitag, 14. November 2008
Gomorrha
Es geht um die Mafia in irgendwo bei Neapel, es ist alles nahe an der Realität, vom Autoren soweit ich weiß höchstselbst miterlebt und beobachtet oder so. Auf jeden Fall möchte man lieber nicht so gern in seiner Haut stecken.
Wir sind zu dritt, Mitpraktikant Kai, seine Mitbewohnerin und ich. Das Kino ist das Kino in Kehl, auf der deutschen Seite des Rheins, man fährt mit dem Bus und man muss einmal umsteigen, dann ist man da. Ja, wir sind heute Abend Weichpities, wir gucken den Film auf deutsch. Wir erwarten Brutalität und Gewalt, die schlimm ist, weil nicht Fiktion, wir erwarten verstörende Bilder und die in den Medien versprochene rücksichtslose Aufklärung.
Naja. Ist schon okay, das gab es auch. Viel Blut, viele Erschießungsaktionen, Jungs mit Goldkettchen und Machos, die ihre Würde mit Pistolenkugeln verteidigen mussten, unschuldige Jungs, Kinder, die über ihre Abenteuerlust in die Maschinerie hineingezogen werden, Prostituierte, italienische Elendslums, Drogen und zur Abwechslung wieder den ein oder anderen Mord. Ein typischer Mafiafilm, eben. Ein bisschen dokumentarischer, als die, die man so kennt, aber eigentlich nichts neues.
Schade, finde ich. Schade, dass man aus dem Film rausgeht und gelernt hat, dass es in Italien, aber wohl auch überall sonst eine ganze Menge organisiertes Verbrechen gibt, dass es Menschen umbringt und dass es die Umwelt mit giftigem Müll verschmutzt. Was man eigentlich schon vorher wußte. Schade, dass man nicht wirklich Hilfe bekommen hat, zu verstehen, warum die Männer sich denn nun den Clans anschließen, wo doch ziemlich offensichtlich ist, dass man da keine sehr hohe Lebensdauer hat.
Interessant fand ich für mich Vergleich zwischen der Darstellung der Mafia in dem Batmanfilm "The Dark Knight" und nun hier in dem realitätsnahen "Gomorrha". Die Bosse, die Schläger, die Hierarchie, die Chinesen... es entsteht der Eindruck, dass die Klischés gar keine sind.
Und dann war der Film vorbei und weil kein Bus mehr fuhr, mussten wir zu Fuß nach Hause laufen. Und stellten fest, dass auf der Brücke vor meinem Haus Prostituierte stehen. Verdammte Realität, nächste Woche gucken wir "Wall-E"!
Freitag, 7. November 2008
Vampire Weekend
Laiterie heißt Molkerei und ist die Konzertlocation der Stadt. Vielleicht mit dem Rostocker Mau Club vergleichbar: Es gibt größere Säale, aber die coolen Bands spielen hier. Antje erzählt mir, dass die Laiterie zwei Säale hat, wir sind heute Abend im Größeren. Es gibt einen Vorraum mit Sitzecken, die Stimmung ist erfreut und angenehm, genauso wie das Publikum. Mir fällt auf, dass ich - auch für Straßburger Verhältnisse - viel Deutsch um mich rum höre.
Im Saal bauen Jungs in schwarz schon einfrig die Bühne auf. Der Zuschauerraum ist etwa zweigeteilt: vorne ist frei und Platz für die Menschen zum Stehen, hinten ist eine Art Tribüne mit Sitzplätzen aufgebaut, die Antje und mich kurz stutzen lässt. Sie ist aber gut besucht, viele Leute sitzen schon. Wir wollen lieber stehen und positionieren uns in der Mitte vor der Bühne. Der Saal füllt sich langsam.
Dann kommt die Band und es geht los und es ist schön. Ich muss an Steffen denken, der bei meinem letzten Konzert in Rostock gesagt hat, wie schön live gespielte Musik doch ist und finde, er hat Recht und freu mich und hab Spaß. Der Sänger ist sympathisch, der Pianist sieht hochkonzentriert aus, auch wenn er oft nur eine Hand braucht, den Bassisten kann ich kaum sehen und der Schlagzeuger bangt so exstatisch mit seinem eigenen Rhytmus mit, dass ich überlege, ob er wohl gerade in Trance ist. Die Stimmung im Saal ist gut, die Leute jubeln, tanzen und hüpfen. Letzteres aber nur auf und ab, gepogt oder geschubst wird nicht. Außerdem rufen Franzosen nicht nach "Zu-ga-be!" sondern gröhlen nur unartikuliert im Chor. Ich frage mich, warum sich so etwas nicht bis zu uns rumspricht und durchsetzt, ich hab das Gefühl, viele Menschen zu kennen, die an einem solchen Brauch gefallen finden könnten. (Jemand sollte über so ein Thema mal eine Abschlussarbeit schreiben. ;)
Nach nur einer Stunde ist das Konzert schon vorbei. Theoretisch ist das ärgerlich, für 16 Euro könnte man etwas länger unterhalten werden. Praktisch aber muss ich doll aufs Klo, freue mich, dass die Bahnen noch fahren* und ich nicht so spät ins Bett komme, schließlich ist morgen Arbeit.**
Uns ist aufgefallen, dass ein beträchtlicher Teil der Konzertbesucher schon das mittlere Alter erreicht haben - nicht nur auf den Sitzplätzen, sondern auch bei uns vorne. Ob das an der Band oder am Land liegt, haben wir an einem Abend nicht rausgefunden, wir werden das in einer empirischen Versuchsreihe in diversen, ausgewählten Konzerten in den kommenden Wochen verifizieren.
* Mit der "Fahrradstadt" Straßburg ist das nämlich so: Ich hab langsam den Verdacht, dass der Titel gar nicht von den achsotollen Radwegen kommt, sondern sich dadurch erklärt, dass man ohne Fahrrad nachts einfach nicht nach Hause kommt, nach halb eins fährt nix mehr.
** Das mit dem Früh ins Bett gehen lief dann doch nicht so gut. Das Internet ging nämlich auf einmal doch.
Samstag, 4. Oktober 2008
Wazomba im JAZ
Das wirre Repertoire ist irgendwo zwischen Ska und Reggae, Swing-Trash,
postmortalem Klezmer-Polka, durchgeknalltem Roost'n'Roll und indischem Balkanjazz anzusiedeln.
Wie auch immer, zuhören, zugucken und tanzen hat richtig Spaß gemacht. Schön, mal wieder richtige Musik zu erleben, selbst gemachte. Mit Blasinstrumenten und Off Beats, mit ganz vielen Musikern auf der Bühne, die auch mal ins Publikum springen und da weiterspielen. Alle waren begeistert und hatten einen tollen Abend. Wazomba kann man, glaube ich, guten Gewissens zum Reinhören weiterempfehlen. Hinterher war noch Lohro Weltempfänger Party mit russischem Ska und der Abend ist schön ausgeklungen.
Dienstag, 5. August 2008
Chorkonzert von "Celebrate" im Moya
Montag, 30. Juni 2008
Konzert von "Celebrate"
Es ist wieder Sommer! Das kriegt man im Moment zwar nicht soo eindrucksvoll mit Möderhitze und Zitroneneis demonstriert (damit geht es aber los, sobald ich meine BA Arbeit abgegeben habe, was glaubt Ihr denn), dafür aber mit unserem alljährlichen Sommerkonzert.
Am 11. Juli um 20 Uhr singt Celebrate mal wieder im Moya!
Drei gute Gründe, sich das anzugucken sind:
- wir haben richtig reingehaun in diesem Semester und viele neue, schwere und großartige Stücke gemacht, die Euch hoffentlich genauso viel Spaß machen wie uns.
- wir werden schließlich bald berühmt. Ich hab es hier ja noch gar nicht erzählt, aber wir haben uns - nein, IHR habt uns tatsächlich in die Sendung gevotet! Am 13. August 2008 sind wir auf ZDF zu sehen, als Vertreter für Meck Pom im großen Grand Prix der Chöre. Mit Carmen Nebel. Aber hallo. Und eben am 11. Juni schon live im Moya, in Rostock. Auf dem besten Weg zum Kult nämlich.
- Es wird wohl mein letztes Konzert mit Celebrate sein. Also, wer es bis jetzt immer verpasst hat - für den ist das die letzte Chance, denn im Oktober bin ich weg und komme so schnell nicht wieder.
Überzeugt? Prima. Karten gibt es im Vorverkauf im Pressezentrum. Mehr Infos - hier.
Mittwoch, 21. Mai 2008
Celebrate goes Grand Prix
Celebrate ist der Kandidat für Mecklenburg Vorpommern beim Großen Grand Prix der Chöre im ZDF!
Damit wir aber tatsächlich ins Fernsehn kommen, müssen wir uns aber noch in einem Online Voting behaupten, bei dem aus den 16 Chören nochmal 8 oder so ausgewählt werden, die im Finale gegeneinander antreten dürfen. Dieses passiert hier, irgendwas gewinnen kann man sogar auch und dass ich recht lieb bitte, uns Eure Stimme zu schenken (damit wir unsere Stimmen dann für Euch... ach nee, Wortspiele waren noch nie mein Freund) und es allen weiterzusagen, das muss ich ja nicht mehr dazu scheiben, oder?
Donnerstag, 31. Januar 2008
Konzertrevue
Jetzt hätte ich fast vergessen, zu erzählen, wie toll das Konzert am Samstag war. Lässt sich aber auch schwer erzählen, so hinterher und mit Worten. Es gab neben der üblichen, tollen Chormusik mit außergewöhnlich guter Setlist, diesmal, diverse Solisten, eine Flöte, Sonnenbrillen, Klatschgetrampel, eine großartige Moderation und eine, bestimmt bald schon legendäre Tanzeinlage. Aber wer das alles verpasst hat, für den reißen so schwache Beschreibungen jetzt auch nicht mehr viel raus. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, der Streß hat sich gelohnt und ich freu mich auf das nächste Mal. Aber erstmal geht es jetzt recht bald an die Cover für DVDs und CDs, damit wir alle nicht so lange darauf warten müssen.



