Freitag, 14. November 2008

Gomorrha

"Eine filmische Kriegserklärung an das organisierte Verbrechen!" steht auf der offiziellen Webseite des Films "Gomorrha". Eine Bekannte erzählt, dass der Film auf der Frankfurter Buchmesse (!) einen Preis erhalten haben soll, weil er das Buch so gut umsetzt. Und weil das Buch so wichtig ist.

Es geht um die Mafia in irgendwo bei Neapel, es ist alles nahe an der Realität, vom Autoren soweit ich weiß höchstselbst miterlebt und beobachtet oder so. Auf jeden Fall möchte man lieber nicht so gern in seiner Haut stecken.

Wir sind zu dritt, Mitpraktikant Kai, seine Mitbewohnerin und ich. Das Kino ist das Kino in Kehl, auf der deutschen Seite des Rheins, man fährt mit dem Bus und man muss einmal umsteigen, dann ist man da. Ja, wir sind heute Abend Weichpities, wir gucken den Film auf deutsch. Wir erwarten Brutalität und Gewalt, die schlimm ist, weil nicht Fiktion, wir erwarten verstörende Bilder und die in den Medien versprochene rücksichtslose Aufklärung.

Naja. Ist schon okay, das gab es auch. Viel Blut, viele Erschießungsaktionen, Jungs mit Goldkettchen und Machos, die ihre Würde mit Pistolenkugeln verteidigen mussten, unschuldige Jungs, Kinder, die über ihre Abenteuerlust in die Maschinerie hineingezogen werden, Prostituierte, italienische Elendslums, Drogen und zur Abwechslung wieder den ein oder anderen Mord. Ein typischer Mafiafilm, eben. Ein bisschen dokumentarischer, als die, die man so kennt, aber eigentlich nichts neues.

Schade, finde ich. Schade, dass man aus dem Film rausgeht und gelernt hat, dass es in Italien, aber wohl auch überall sonst eine ganze Menge organisiertes Verbrechen gibt, dass es Menschen umbringt und dass es die Umwelt mit giftigem Müll verschmutzt. Was man eigentlich schon vorher wußte. Schade, dass man nicht wirklich Hilfe bekommen hat, zu verstehen, warum die Männer sich denn nun den Clans anschließen, wo doch ziemlich offensichtlich ist, dass man da keine sehr hohe Lebensdauer hat.

Interessant fand ich für mich Vergleich zwischen der Darstellung der Mafia in dem Batmanfilm "The Dark Knight" und nun hier in dem realitätsnahen "Gomorrha". Die Bosse, die Schläger, die Hierarchie, die Chinesen... es entsteht der Eindruck, dass die Klischés gar keine sind.

Und dann war der Film vorbei und weil kein Bus mehr fuhr, mussten wir zu Fuß nach Hause laufen. Und stellten fest, dass auf der Brücke vor meinem Haus Prostituierte stehen. Verdammte Realität, nächste Woche gucken wir "Wall-E"!

Kommentare:

André hat gesagt…

Ich will auch Wall-E gucken!!! Ich komm dann mal vorbei... ;)

gummi hat gesagt…

Wall-E ist toll... und nicht so ein böser Schießfilm ^^

theralf hat gesagt…

Hm vielleicht habe ich schon eine andere Sichtweise auf das Thema. Hier hast du aber bei mir ganzschön was losgetreten! Ich versuche mich aber darauf zu beschränken, aus meiner Sicht die Gründe für den Beitritt zu solchen Organisationen zu nennen. Vielleicht ein kleines Beispiel: In der kleinen Ostsächsischen Stadt, wo ich meine Jugend verbrachte, gibt es einen Boxverein, in dem ich einige Jahre Mitglied war. Es kamen auch immer viele Jungs (nein, kein einziges Mädchen) mit osteuropäischem Migrationshintergrund zum Boxen. Wirklich nette Kerle, ehrgeizige Boxer, kameradschaftlich, kann man nicht meckern! Anfangs hatten die wenigsten überhaupt anständige Sportsachen. Als ich nach ca zwei Jahren ging, kamen einige bereits in Markenklamotten, verdammt coolen Ledermänteln und mit (Überraschung!) Goldkettchen zum Training. Als ich einige Zeit Später einen davon wiedersah, stieg er gerade aus einem nagelneuen 5er BMW.

Hier meine Theorie: Die Bildung von organisierter Kriminalität wird begünstigt durch Armut und Soziale Ausgrenzung.

Natürlich kann der osteuropäische Kollege seine Vierzigtausendeurokarre auch mit ehrlicher arbeit verdient haben. Aber ohne Schulabschluss und mit erheblichen Sprachdefiziten dürfte ihm das besonders schwergefallen sein.

Ich habe vor einiger Zeit mit einem Italiener über die Verhältnisse in seinem Heimatland gesprochen. Auf meine Frage, ob mein Eindruck stimmt, dass jeder Italiener, der irgendwas zu sagen hat, mit der Mafia in Verbindung steht, antwortete dieser: Nicht direkt, einige sind auch Faschisten. Ich war doch etwas schockiert, hatte ich doch eher ein Plädoyer für das tolle Italien erwartet.

Ich denke ich belasse es jetzt dabei und wünsche viel Spaß bei Wall-E!

Pixelamazone hat gesagt…

Du hast sicherlich Recht, natürlich sind Armut und soziale Ausgrenzung Faktoren, die die Entstehung von organisiertem Verbrechen (und einigen anderen Übeln beeinbflussen) und die Darstellung derartiger Umstände kommt in dem Film auch wirklich nicht zu kurz. Weiterhein ist allgemein bekannt, dass sich Menschen sich Banden anschließen, weil man ohne Zugehörigkeit zu einer solchen erst recht wehrlos und gefährdet ist.

Was mich irritiert hat, war die Darstellungsweise des Films, in der man den Anschein bekam, dass eine Mitgliedschaft in der Mafia früher oder später eine Schusswunde nach sich zog, unausweichlich. Da wurde das, was man im Sozialkunderunterricht gelernt hat, nicht so richtig nachvollziehbar.